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Startseite ›Nadine Kegele
Gestern hat mir einer ein Geheimnis anvertraut, das ich morgen ausplaudern werde. Das nicht, weil ich eine mime, die einen Keuschheitsgürtel trüge ums Maul, ich in Wahrheit aber keinen trag, vielmehr, weil meine Zunge zu locker sitzt. Was meine eigenen Geheimnisse betrifft in jedem Zustand, was die anderer betrifft in Zuständen, die fast lückenlos mit Fauxpas umschrieben werden können. Ganz im Zweifel für den Angeklagten bin ich so gut wie immer unschuldig, weil ich's nicht bös mein zum Beispiel.
Hinter mir wird geklopft. Es ist nicht so, dass ich nicht öffnen will, bloß: es steht niemand vor der Tür. Die Handwerker sind da. Stemmen ein nasses Stück Wand heraus. Ungut, das.
Neben mir liegt die Katze und ist blind. Wie ein Maulwurf, könnte man sagen, bringt aber nichts, fügt ja auch keine weiteren Informationen hinzu. Der Katze ihr Bauch nach oben gereckt und die Beine, vier und voll funktionstüchtig, ausgestreckt an ihren Seiten. In dieser sich aussetzenden Position glaubt sie glatt, dass ihr nichts passieren könne. Womit sie ganz Recht hat, ich kann ja kein Blut sehen, also lebt sie noch immer, auch wenn ich sie mir eigentlich nicht leisten kann.
